Inspiriert von Humans Of New York haben wir, Alex, Jana, Janis, Johanna, Julia und Johanna, Studenten der Universität Wien, die unterschiedlichsten Menschen an vier bekannten Orten in Wien interviewt. Mit unserem Projekt Humans Of Vienna haben wir ihre Geschichten gesammelt – ob traurig, lustig oder skurril. Diese Eindrücke möchten wir euch auf diesem Blog mit euch teilen.

Mariahilferstraße| Prater | AKH – Wien | Uni Wien

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Mariahilfer Straße 

Christine, unter 40, Steiermark

„Wir gehören zu Gruppe Kolping. Den Punschstand hier gibt es bereits seit 20 Jahren und die Einnahme kommen Müttern in Not, Alten Leuten und der Kolpingfamilie im Allgemeinen zugute. Letztens haben wir Russen hier gehabt, die haben ihre Silberne Hochzeit gefeiert, die waren von Vormittag bis 9 Uhr Abends hier, die waren dann auch dementsprechend, naja. Aber wir schauen dann auch immer, dass die Leute gut nach Hause kommen, helfen ihnen gegebenenfalls auch ins Taxi. Kommt auch vor, dass die dann am nächsten Tag anrufen und sich entschuldigen bzw. bedanken. Da hat mal eine beim Nachhause gehen ihren Mann verloren und ihr Handy auch. Ich hab sie dann ins Taxi gesessen und die ist dann nach Hause gefahren. Ich bin dann zurück zum Stand und hab alles fertig zusammengeräumt. Dann schau ich und dann war da auf der anderen Seite bei der Bank ihr Mann. Der ist also zur Bank gegangen Geld abheben fürs Taxi oder so und ist da eingeschlafen und die Frau hat das irgendwie vergessen gehabt. Wir sind schon sehr persönlich zu den Leuten und das schätzen die auch.“

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Peter, 18, Wien

„Ich bin für eine Kinderhilfsorganisation hier auf der Mariahilferstraße tätig. Hier sind mir schon die verschiedensten Menschen begegnet. Natürlich mag ich die Mariahilferstraße, ich mag viele Menschen ich mag überfüllte Plätze. Man trifft urcoole Leute hier, junge Menschen, aufgeschlossenere Menschen als in anderen Bezirken. Hin und wieder sind auch schlechter gelaunte Leute dabei, ist eh klar. Aber wenn ich Leute treffe, die mir in meiner Mission weiterhelfen und voll organisiert sind ist das natürlich ursuper.
Ein paar Mal wird mir mit der Faust gedroht, ein paar Mal sagt mir einer „mit einem Staatsbürger hat man keinen Schmee zu führen“. Tja. Wenn du Leute ansprichst mit einem sau blöden Spruch wie: „kurze Frage zu deinen Schuhen – sind das Schuhe, die für den guten Zweck einmal stehen bleiben würden?“ Ich weiß der ist urschlecht, aber manchmal funktioniert‘s. In diesem Fall war das ein 80-Jähriger und der meinte nur „so redet man nicht mit mir“ und er holt die Polizei. Na sowas passiert auch, aber das kann man ausblenden. Hab auch gerade einen alten Mann getroffen. Zitat: Ich mag keine Kinder, ich hasse Kinder. Die scheißen nur alles voll und schreien nur den ganzen Tag. Die Liebe auf dieser Straße ist unglaublich.“

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Apu, 28, Pakistan

„Last Saturday we cought a serbian. She stole something and we took her in the office. And the she was sitting normaly over there till we said something about the police. When we mentioned the police she suddenly stood up opend the door and run away. My collegue pulled her back and she bit him. By the time we closed the door she…I dont know. She jumped out and ran away. That was crazy.“

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Ivan, 44, Kroatien

„Gut an der Mariahilferstraße ist, dass es hier jeden Tag neue Kundschaft gibt. Das ist besser als an allen anderen Standorten. Da kommen die gleichen Leute jeden Tag. Aber hier – hier ist es wie in einem Einkaufszentrum. Die Leute kommen und dann seh ich sie nur einmal. Wie im Einkaufszentrum. Kaufen und weg. Das ist die Mariahilferstraße.“

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David, Clowns haben kein Alter, Ungarn

„Ich bin seit vielen Jahren auf der Mariahilferstraße tätig. Die Leute reagieren schon lustig auf mich.  Vor allem die Kinder. Wenn ich lächle, lächeln sie zurück. Außer die Kleinkinder, die haben Angst. Mein angemaltes Gesicht macht ihnen Angst. Jeder der weiß, was ein Clown ist lächelt, der Rest ist skeptisch und zurückhaltend.“

„Ich habe keine lustige Story.“

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Prater

Heinz, 42, Wien

„Das was sich da oft abspielt, das passiert jeden Tag und für Leute die es einmal sehen ist es lustig oder interessant aber wir bekommens garnimma mit ehrlich gesagt. Es kommen halt jede Menge Betrunkene. Einer hat mal da hin gekotzt, der andere hat dem dann aufn Schädl ghaut und wieder der andere hat die Flasche Bier drüber bekommen. Also nicht unbedingt lustige Geschichten aber ja, es passiert was, es tut sich was, mehr also irgendwo sonst. Man wird auch ununterbrochen angepöbelt aber das hört man nicht mehr, das geht da rein und dort raus. Die Zeit wos da seits ist jetzt aber ziemlich fad, wenn’s was erleben wollt’s, dann eher nach 12, jetzt ist’s eher uninteressant.“

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Stefan, +-25, Wien

„Also irgendwann amal bin ich in da Sauna eingschlafen und hab am nächsten Tag wieder in der Sauna arbeiten müssen. Ich war halt noch oben drinnen und die Alarmanlage war an das heißt ich konnte nicht normal rausgehen und ja, dann bin ich übers Dach rausklettert.“

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Polizeibeamte

„Also wir können da jetzt eigentlich keine Geschichten erzählen, das fällt alles unter Datenschutz. Personen könnten sich theoretisch identifiziert fühlen, ihre Story dann wieder finden und naja deswegen geht sowas leider nicht.“

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Daniel, 21, Wien

„Ui ja in der Pratersauna. Ok also, ich hab da sogar ein Foto, erst Heut wieder zufällig heruntergeladen. Also ist jetzt schon ein paar Jahre her, da war ich mit Freunden in der Pratersauna, Donnerstag oder Mittwoch, war halt ziemlich wenig los, also so wenig das der Mainfloor zu war und nur der Stadel und HipHop war offen. Naja da war eine abzählbare Menge an Leuten und auf der Tanzfläche war halt niemand, außer einer Frau und einem Mann und die haben halt ziemlich anzügig miteinander getanzt. Und ja die haben halt so getanzt und irgendwie nicht die Umgebung wahrgenommen. Sie hat sich halt ein bisschen nach vorn gebückt und er ist so in die Hocke gegangen und hat das Kleid ein bisschen hochgezogen und hat halt hinten bei Ihr herumgeschleckt oder so keine Ahnung. Aufjedenfall hat das halt jeder gesehen und mein Freund hat dann auch ein Foto gemacht. Das kann ich dann auch herzeigen danach. Auf jedenfall hat sie ihn dann mit aufs Klo gezogen und dort warn die dann, ja keine 5 Minuten. Und plötzlich kommt der Typ entlang, ziemlich bösen Blick, echt wütend. Sie versucht ihn noch aufzuhalten, aber er geht einfach weg. Naja dann halbe Stunde später hat sie wieder einen neuen Typen auf der Tanzfläche, wahrscheinlich später erst gekommen und das alles vorher nicht mitbekommen. Dann geht halt wieder das gleiche ab, nur das der halt nicht in die Hocke ging. Sie nimmt den auch wieder mit aufs Klo und dann wieder so, diesmal etwas länger aufm Klo. Und es warn echt nicht viele Leute im Club das mir das alles aufgefallen ist. Auf jedenfall ist der Typ dann heulend ausm Klo gekommen und hat geschrien so Oh mein Gott. Der hat dann so was gemurmelt wie: „Ach hätt i des gewusst wär i nie mit dir aufs Klo gangen“. Auf jedenfall saß der dann an der Bar  und mehrere Leute fragen ihn was halt los sei. Der ist dann ausgerastet und hat dann im Akzent sowas gesagt wie: „Na wos soin san an Schwontz hots kop“

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AKH – Wien

Eva, Diplomierte Gesunden- und Krankenpflegerin, 50

„Vor einigen Jahren im Nachtdienst waren Obdachlose ohne schwere Verletzungen im AKH untergebracht um schlafen zu können. Da wir nicht so viele Liegen / Betten hatten, haben wir sie auf Matratzen nebeneinander auf den Boden gelegt. Einige von ihnen (betrunken) versuchten sich eine Zigarette anzuzünden und setzten dadurch ihre Decken und Matratzen in Brand. Da manche vorher ihr zum Teil schmutziges Gewand ausgezogen haben, sind sie halb nackt durchs Krankenhaus gelaufen und schrien herum. Aber der Brand ist schnell gelöscht worden und es hat sich niemand verletzt.“

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Gerhard, Unfallchirurg, 49

„Ich bin an einem Vormittag vor ein paar Jahren in der Ambulanz gesessen und habe am Computer die Patientenwarteliste angesehen. Auf einmal ist mir ein Eintrag aufgefallen: Kind 3 Jahre, Sturz aus dem 2. Stock, Höhe: 6 ½ Meter. Normalerweise werden schwer verletzte Patienten vor dem Eintreffen im Krankenhaus angekündigt. Ich hab also angenommen, dass darauf vergessen worden ist und bin in den Warteraum gelaufen um den verletzten Jungen zu suchen. Als ich den Namen des Kindes aufrief, ist ein Mann im Warteraum aufgestanden, hat ein Kind bei der Hand genommen und ist auf mich zugekommen. Er sagte, dass sein Sohn das abgestürzte Kind sei. Ich konnte meinen Augen nicht trauen als ich weder blaue Flecken noch einen Kratzer sah. Um eventuelle innere Verletzungen auszuschließen wurden anschließend Untersuchungen gemacht und das Mädchen konnte sofort wieder nach Hause gehen.“

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Claudia, Diplomierte Gesunden- und Krankenpflegerin, 28

„Es war vor ein paar Jahren zu Weihnachten. Da ist ein obdachloser betrunkener Herr von seiner Liege aufgestanden. Dann ist er zu dem Christbaum, der in der Ambulanz steht, gegangen ohne ein Wort zu sagen. Wie er sich hingehockt hat bin ich hingegangen und hab ihn gefragt, ob alles in Ordnung ist. Auf einmal beginnt er einen Sch***haufen unter dem Christbaum zu machen und ist dann einfach wieder zu seiner Liege zurückgegangen. Der Haufen ist dann quasi wie ein Weihnachtsgeschenk unter dem Christbaum gelegen.“

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Heinz, Diplomierter Gesunden- und Krankenpfleger, 56

„Also das ist schon vor vielen Jahren passiert aber ich find die Geschichte immer noch lustig. Es war mal eine Patientin bei uns, die vor ihrer Pensionierung eine Kindergartenpädagogin war. Zu dem Zeitpunkt ihrer Einlieferung war sie bereits dement. Der Vorfall hat sich ereignet als Abendessenszeit war. Die ältere Dame kam also zum Schwesternstützpunkt um ihr Essen zu holen aber als sie gesehen hat, dass es Würstel gibt, wollte sie diese nicht essen. Dann hat sie auf einmal ein paar Würstel genommen und ist mit den Würsteln durch die Gänge gelaufen und gehüpft und hat gerufen: „Wer möchte Würsteln haben?“ und hat dabei die ganze Zeit wie ein Verkäufer mit den Würsteln herumgewedelt.“

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Uni Wien

Vanessa, Lehramtstudentin: Geschichte & Deutsch
Sandra, Lehramtstudentin: Deutsch & Psychologie und Philosophie

„Also wir haben da nicht so viel zu erzählen, weil wir erst im ersten Semester sind. Aber der eine Professor schaut aus wie der von Vorstadtweiber und Deutsch war zum Beispiel komplett langweilig! Aja, eine Studienkollegin hatte einfach so ihr Baby in der Vorlesung mit. Und unser Psychologie-Professor sagt oft so Sachen wie „die Bladen passen nur zu den Bladen“ haha.“

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Markus, Jus-Student

„Es gibt teilweise schon Studenten, die sich für Vorlesungen und Übungen mehr aufstylen als der Professor und mit Anzug daher kommen. Letztens bin ich neben einem gesessen, der im Anzug bei der Vorlesung war. Der hat dann beinhart angefangen mit seinem Handy ,Fruit Ninja´ zu spielen. sonst ist noch nicht wirklich viel passiert, in den paar Monaten. Aber einer meiner Übungsprofessoren hat eine Art Obsession für Autos, schweift dann oft mal ab, schimpft über die Kurzparkzonen, E-Autos und hält teilweise Kurzvorträge über Autos, Tachomanipulationen und alles was mit Autofahren zu tun hat. Letztens wollten ein paar Kollegen und ich in der Mensa lernen – es war gerade Prüfungswoche – und ab 11 Uhr kamen recht viele Studenten, die wahrscheinlich schon mit ihren Prüfungen fertig waren, in die Mensa. Die haben sich dann reihenweise Bier geholt und innerhalb von Minuten ist die Mensa, wo die meisten noch lernten, zu einem ´Frühschoppen´ wie am Oktoberfest geworden. Sie waren dann dementsprechend laut, haben getrunken und haben gefeiert.“

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Alexander, Medizinische Universität Wien

„Im Medizinstudium hat man seit einigen Jahren den Stress des Aufnahmeverfahrens, wo hald der Großteil der Leute schon vorm Studium aussortiert wird und nur ein
kleiner Teil aufgenommen wird. Wie dann das ganze formale „Aufnahmedings“ abgeschlossen war und der erste Uni-Tag da war, waren alle schon recht nervös und der Saal war sehr überfüllt. Die Leute sind teilweise am Boden und auf den Fensterbänken gesessen. Der Professor hat um Ruhe gebeten und alle waren ruhig! Da hab ich dann das erste Mal den Unterschied zwischen Uni und Schule bemerkt. Als Erstsemestriger, im zweiten Monat Uni, hatte ich als Vorlesungsthema Anatomie und als wir dann die Vorlesungen hatten, kam der Professor, zum Tagesthema, mit dem jeweilig passenden Körperteil herein. z.B. Kopf – Schädel. Und als ich dann das erste Mal einen Kopf von Innen betrachten durfte, hab ich mich erst wirklich als Medizinstudent gefühlt. Die Klos sind wahrscheinlich seit dem Jahr, in dem die Uni erbaut wurde, immer noch die gleichen – zumindest fühlt es sich so an – Das sind dann die Momente, in denen man sich wünscht auf der WU zu sein haha. Aja und die Wärmeregulierung der Uni lässt oft zu wünschen übrig, da kann es schon mal vorkommen, dass man mit Winterjacke in der Vorlesung sitzt. Bei den strengeren Professoren ist es oft so, dass die ersten Reihen frei bleiben und in den oberen Reihen alles komplett überfüllt ist. Ich zitiere einen Professor: „Stellen Sie sich vor eine Pistole ist auf ihren Kopf gerichtet und Sie haben nur 3 Sekunden Zeit zu antworten!“ Meistens zählt er dann auch runter, also 3, 2, 1 … Die Vorlesungen finden also immer ganz „ohne“ Druck statt.“

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