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Die Gastronomie und Wien verbindet eine lange gemeinsame Geschichte – Kaffeehäuser, Schanigärten sowie Altwiener Beisln gehören zur Wien zu die Mozartkugel zu Salzburg.
Lokale, mit denen der Wiener etwas verbindet zu testen, bewerten und vor allem zu genießen stand für unser internationales Team im Vordergrund. 5 handverlesene Etablissements wurden von uns ausgesucht, um ein Stück der Wiener Gastrokultur einzufangen und miteinander zu vergleichen.

Das Charlie P’s Das Charlie P’s ist ein/e Restaurant/Bar in der Währinger Straße in der unmittelbaren Nähe der Universität Wien. Das ganze Ambiente ist im amerikanischen Stil, weiße Kacheln an der Wand, Holztische, und große Schreibtafeln und natürlich alles nur auf Englisch. Aber nicht nur das das Interieur ist amerikanisch angehaucht, sondern vor allem das Essen. Von Burger in verschiedensten Varianten, Mac n’cheese und und Chickenwings bis zu Fish and Chips ist alles dabei. Natürlich darf auch der süße Nachtisch nicht fehlen. Ganz traditionell stehen beim -Charlie P’s- ‚Cheesecake’ und ‚Chocolate Brownies’ auf der Karte. Der Werbeslogan ist „It’s all about the Meat“ und das können wir bestätigen. Die frisch gemachten Bratlinge riechen nicht nur himmlisch, sondern schmecken auch genauso gut! Auch die vegetarischen Varianten sind sehr lecker! Während oben entspannt gegessen wird, steigt unten jeden Tag der Woche eine andere Party. Von Karaoke über Bad-Taste bis zum Pub-Quiz, es ist für jeden was dabei! Also ist das Charlie P’s perfekt für Studenten die nach der Vorlesung auf einen oder mehrere Absacker vorbei kommen wollen, oder auch einfach nur für einen leckeren Gaumenschmaus.


 

Das Café Hawelka Wenn die Ober zu den Karten werden!

„Jö schau so ah Sau – Jössasna, wos mocht ah Nokata im Hawelka?“ (Was macht ein Nackter im Hawelka?) – So sang bereits der österreichische Liedermacher und Sänger Georg Danzer in seinem Lied „Jö Schau“ über das Kaffeehaus Leopold Hawelka im 1. Wiener Gemeindebezirk. „Ein Kaffeehaus als Treffpunkt von Künstlern, Schriftstellern und Intellektuellen, bekannt für sein Flair und böhmische Buchteln – ein Pflichtprogrammpunkt bei einem Wien-Besuch“ schwärmt ein Nutzer der Plattform „Tripadvisor“ über das Etablissement. Wir waren gespannt. Durch eine abgegriffene Holztür und einen klassischen „Kaffeehaus-Türvorhang“ in olivgrün begeben wir uns ins Innere des Kultlokals. Auf der Homepage wird das Café als „ein zeitloser Raum“ beschrieben, weiters „sei das Interieur, entworfen von einem Jugendstilarchitekten, nicht verändert worden und 1:1 erhalten geblieben.“ – dies merkt man auch. Dunkelbraune Wände, von denen die Farbe abblättert und die weiße Grundierung hervorblitzen lassen, geben dem großen Raum eine drückende, düstere Atmosphäre. Die Fauteuils, die im inneren nach einer nicht ersichtlichen Ordnung um uralte, abgegriffene Marmortische positioniert sind, sind weitere Zeugen des nicht aufhaltbaren Zahnes der Zeit. Wir melden uns beim im Frack gekleideten Ober, der uns widerwillig zu einem kleinen Tisch in der Ecke des Lokales schickt. Es ist der frühe Nachmittag, und wir ergattern gerade noch so den letzten Tisch. Sämtliche Tische des Lokals sind belegt. Die Menschen, die das Kaffeehaus füllen, reichen vom jungen Hipsterpaar, über die alternative Bobo-Familie bis hin zu einer Grande-Dame, die sich aus ihrem Nerz-Mantel schält, bevor sie den Ober wie einen alten Freund begrüßt. Wir warten 10 Minuten, bevor wir uns den Ober „im Vorbeigehen schnappen“. Auf die Frage nach der Karte bekommen wir die flapsige Antwort, dass er die Karte sei. Die arrogante Art des Kellners gibt nur wenig Aufschluss darüber, ob dies ein „eintrainierter Standardspruch“ des dort arbeitenden Servicepersonals ist, oder es der Herr mit uns ernst meint. Wir bestellen einmal die Frankfurter, einmal Debreziner, eine Sachertorte und einen Apfelstrudel. Dazu 3 Cappuccinos und 2 Mélange. Nach gut 20 Minuten bekommen wir unsere Bestellung – der Kaffee ist gut und stark, die Kuchen frisch. Die Würsteln werden mit einem „Batzerl“ Senf und einer Semmel serviert, Kren gibt es keinen. Im Kaffeehaus ist es laut und relativ stickig, es passt aber zum Flair und hat irgendwie einen gemütlichen Charakter. Wir verbleiben doch fast 2 Stunden. Kurz bevor wir unseren Wunsch zum Zahlen aufgeben können, kommt bei uns am Tisch die Erkenntnis „Wir haben jetzt keine Ahnung wie viel das kostet.“ – Die Karte (der Ober) verriet uns bei seinem routinehaften Herunterbeten des Angebots nämlich nicht, was wie viel kostet. Wir beschließen gezwungenermaßen uns überraschen zu lassen. Der Ober kommt, sichtlich genervt von unserem Wunsch getrennt zu bezahlen. Debreziner und ein Mélange kommen auf 16€. Saftig. Das Kaffeehaus Leopold Hawelka ist mit Sicherheit eines der bekanntesten Kaffeehäuser in Wien. Diese Hochstilisierung macht sich natürlich im Preis bemerkbar. Auch das Verkaufen des heruntergekommenen Interieurs als „originalgetreu, charmant“ oder sogar das ganze als „beabsichtigt“ zu verkaufen, wirkt schlichtweg faul. Man kann sehr wohl erneuern, ohne den Charme zu verlieren. So macht das Café auf den objektiven Betrachter eher einen schmuddeligen Eindruck anstelle des beabsichtigten Flairs. Dennoch ist das Kaffeehaus stets gut gefüllt – zum Teil wartet man sogar vor der Tür, um einen Platz zu ergattern. So zählt auch dieses Lokal sicher zu einem fixen Bestandteil der Wiener Szene, und sollte man tatsächlich einmal gesehen haben – und sei es auch nur für die Erkenntnis, nicht mehr wiederzukommen.



 

Schnitzelwirt Hier kommt es auf die Größe an!

„Das Beste Schnitzel Wiens“, unter diesem Titel führt der Kurier den „Schnitzelwirt“ in 1070 Wien an. Ein Etablissement, das es in unserem „noble cause“ natürlich auszukundschaften gilt. Ganz untypisch für die Sphäre des siebten Wiener Gemeindebezirkes, in der sich vegane Bistros wie an der Perlenkette aufreihen, besticht der Schnitzelwirt durch Altwiener Charme und Beisl-Flair. Wir werden auf einen Tisch gleich beim Eingang verwiesen und bewundern eine ganze Wand von Zeitungsartikeln über den Schnitzelwirt. Selbst in Japan wurde bereits über die Schnitzel des Wiener Lokals berichtet. Wir bestellen eine Potpourri an Cordon Bleus und anderem panierten Fleisch. Über die fürstliche Qualität bestehen für uns keine Zweifel, die Auszeichnungen sind demnach absolut gerechtfertigt. Der maßgebliche Faktor, der das Lokal so legendär macht, ist aber die Größe der Portionen. Die exorbitante Menge an Fleisch, die sich auf unseren Tellern befindet, liegt fernab unserer Kapazitäten. Wir müssen alle W.O. geben und nehmen ein Stück der Portion (in klassischem Stanniolpapier) mit. Das Lokal ist absolut nicht gedacht für Leute, die nur für einen kleinen Snack hereinkommen wollen, und auch Vegetarier sollten sich eher ein anderes Restaurant suchen. Vegetarische Speisen werden de facto nur auf Zuruf zubereitet, man ist eigentlich überfordert mit der Frage nach dem Weglassen von Fleisch. In Summe ist das Lokal aber empfehlenswert und auch längst kein Geheimtipp mehr.


hier ist nicht nur der René scharf!

„Lassen sie sich nicht von „Äußerlichkeiten“ des Würstelstandes täuschen, bestellen sie und der Würstelgenuss wird ein köstlicher, unvergleichlicher sein.“ rundet Nutzer „carpediem_slowfood“ seine Bewertung des Würstelstandes auf der Plattform „TripAdvisor“ ab. Der Genussrategeber „Falstaff“ kürte die kleine Imbissbude am Schwarzenbergplatz 2016 zum besten Würstelstand der Stadt. Der 1968 eröffnete Würstelstand, der seine Würsteln unter dem Motto „scharf, schärfer, zum scharen René“ verkauft, gilt als Fixum in der Wiener Würstelstand-Szene, und kam so auf unser Radar. Trotz Nasskalten Wetters scheuten wir den Weg nicht im Begehr, eine der preisgekrönten Würstel zu kosten. Das Ambiente ist wie angekündigt rustikal, schreckt aber keinesfalls ab. Wir studieren die (wenig überraschend) kurze Karte. Wir nehmen einen Käsekrainerhotdog, 2 Käsekrainer mit Brot und sowie einen (legendär scharfe, 1 Million Scoville) Wurst mit Chili. 3,50 für eine Wurst mit Gebäck empfinden wir als wohlfeil. Trotz preisgekrönter Wurst können wir keinen gravierenden Unterschied zu konkurrierenden Wurstständen. Pluspunkt ist trotzdem das namensgebende Chili, dass den Würsten den nötigen Kick gibt.


Café Schwarzenberg

Auf der Suche nach einem traditionellen und gehobenen Kaffeehausambiente ist man im Café Schwarzenberg, Wiens ältestem Ringstraßencafé, an der korrekten Adresse. Kaum im Lokal, wird man bereits von einem der elegant gekleideten Angestellten freundlich zu einem Tisch geführt. Wir sind umgeben von Menschen, die – fast klischeehaft – alleine an ihrem Tisch sitzen und ihren Kaffee mit einer der Zeitungen verbinden, die in edlen, hölzernen Haltern beim Eingang aufliegen. Unsere Bestellung wird leider nicht vom schon zu überregionaler Berühmtheit gelangten, singenden Kellner Leopold gebracht, dafür ist die Atmosphäre sehr stimmungsvoll und man hat definitiv das Gefühl, typischen Wiener Kaffee in einem altehrwürdigen Wiener Kaffeehaus zu genießen. In den Bestellkarten schmückt man sich mit feinstem, „Fairtrade“-zertifizierten Kaffee aus erlesenen Bohnen und das schmeckt man dann auch tatsächlich. Angeboten werden auch lokaltypische Mehlspeisen wie Buchteln oder Apfelstrudel in Vanillesauce und für besonders Ehrgeizige wird nach umtanzten Ballnächten am frühen Morgen ein Katerfrühstück angeboten. Das Café Schwarzenberg öffnet seine Pforten nach ausgewählten Bällen nämlich bereits um 03:00 Uhr. Die Zeit scheint in diesem Kaffeehaus fast ein bisschen stillzustehen, da nimmt man auch Preise im leicht oben angesiedelten Segment (beispielsweise 5,10€ für einen Cappuccino, Anm.) gerne in Kauf.