Titelbild © Bwag/Wikimedia

„Jus ist doch alles nur zum auswendig lernen, BWL studiert man, wenn man nach der Matura nicht weiß wohin, Informatiker sind dünne, bleiche Nerds die alles im Sekundentakt hacken und als Publizistik-Student wirst du bestimmt mal einen tollen Job als Taxifahrer finden, viel Glück dabei!“ Das sind nur einige der unzähligen Klischees, mit denen sich Studenten eben dieser Studienrichtungen tagtäglich herumschlagen müssen. Alles Lügen oder steckt doch ein Fünkchen Wahrheit dahinter? Wir, Ali, Christoph, Laura und Pia, haben uns auf die Wiener Straßen begeben und haben den Test gewagt. Im Zuge dessen haben wir mit Vertretern verschiedener Studienrichtungen gesprochen um deren Sicht der Dinge in Erfahrung zu bringen, in der Hoffnung ein für allemal mit den Vorurteilen aufzuräumen. Ob uns das gelungen ist, lest selbst 🙂

Publizistik

Hobby-Blogger und Instagram-Influencer tummeln sich vor den Toren der Hauptuniversität Wien. Die Rede ist von Publizistikstudenten , welche stürmisch den Audimax betreten, um sich noch einen Platz in dem größten Vorlesungssaal der gesamten Universität zu sichern. Doch so ist das eben bei Massenstudienfächern, kein Platz bleibt frei, selbst die Treppen werden als Sitzmöglichkeit genutzt. Hier beginnt der Weg in die Arbeitslosigkeit. Wartet, was? Richtig gehört, ebenso wie die aussichtslose Zukunft eines jeden Publizistik Studenten, wird auch die Faulheit ihnen vorgeworfen. Solche Aussagen wollten wir nicht unkommentiert lassen und kontaktierten einen bereits erfahrenen Publizistik Studenten zu den schwerwiegenden Vorwürfen.

Interview

Erzähl uns ein bisschen was über dich!

Ich bin 20 Jahre alt und studiere Publizistik und Kommunilkationswissenschaften. Ich betreibe einige Sportarten leidenschaftlich, wie Fußball, Tennis oder Skifahren. Aus diesem Grund möchte ich mein Studium nutzen um in den Sportjournalismus in den Bereichen Hörfunk und TV einzusteigen.

Alle Publizistikstudenten wollen „irgendwas mit Medien“ studieren und  Journalist werden?

Natürlich wollen nicht alle in die Medienbranche gehen oder Journalist werden, viele haben auch Jobs in den Sparten Marketing und Werbung im Blickfeld.

Klischee Zukünftiger Taxifahrer bzw. Arbeitsloser – was sagst du dazu?

Das Klischee das die schweren Jobchancen betrifft, stimmt nur zum Teil und hängt stark von der Persönlichkeit ab. Aber grundsätzlich stimmt es, das es für viele Bewerber vergleichsweise wenig Arbeit gibt.

Sind Publizistikstudenten wirklich faul und haben ein leichtes Studium?

Dass das Studium nicht auf eine Stufe mit Medizin und Jus zu stellen ist lässt sich nicht bestreiten und auch der Arbeitsaufwand hält sich ohne jeden Zweifel in Grenzen. Das verursacht meiner Meinung nach auch diese Faulheit die viele Publizistikstudenten umgibt. Durch diese unregelmäßigen und seltenen Anforderungen entsteht ein Gemütlichkeitsgefühl, dass überwunden werden muss wenn die Prüfungen anstehen. Trotz all den „Anschuldigungen“ sag ich immer gern zu jenen die sich darüber „aufregen“: Hättets es ja selbst studieren können!

Man sagt PuKW-Studenten halten sich viel in sozialen Netzwerken auf, lesen sehr viel Nachrichten und sind politikinteressiert.

Alle Studentinnen und Studenten der Publizistik und Kommunikationswissenschaften die ich persönlich kenne, selbst die wirklich faulen, sind sehr viel unterwegs in der Medienwelt, sowohl in den sozialen als auch den klassischen Medien. Hier werden unter Anderem auch vor allem Nachrichten und Meldungen aus aller Welt konsumiert. Dadurch entsteht automatisch auch das Interesse an der Politik.

Kennst du noch andere Publizistik Klischees?

Andere Publizistik Klischees sind mir nicht bekannt.

Außer vielleicht, dass auch die wenigen Vorlesungen oft gerne ausgelassen werden 😀

Kennst du noch allgemein andere Klischees z.B. zu Jus, BWL, Informatik und Medizin?

Kurz zu den anderen Studien:

Jus: Können gut auswendig lernen, studieren ewig, sind sehr klug, tragen sehr elegantes Gewand auch wenns nicht notwendig ist! (Anzug auch im Bett)

BWL: reiche Eltern, gegeelte Haare, kaufmännisches Auftreten, Aktenkoffer, Oskar Maximilian (O.M.), fahren teure Autos (das von Papa)

Informatik: dünn, schmächtig, ungepflegt, Brille, programmieren zum Spaß, hängen oft vorm PC oder einer Spielekonsole, schweißeln

Medizin: haben kein Leben mehr weil zu viel zu lernen, sehr klug, nochmals betont: kein Privatleben!

Klischee-O-Meter

Informatik

Wenn man den klassischen Informatiker beschreiben muss, wie er im Lehrbuche steht, würde man ihn sich wohl als bleichen Nerd vorstellen, der sich vorzugsweise in dunklen Räumen aufhält, dabei am besten auf eine Vielzahl von Bildschirmen starrt und soziale Kontakte meidet wo es nur geht. Oft hört man aber auch davon, dass Informatiker sich sehr häufig selbstständig machen und ihr eigenes Startup gründen. Ebenso liest man oft, dass vor allem gekonnte Informatiker auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragt sind und sich durch die zunehmende Digitalisierung keine Sorgen um ihre Zukunft machen müssen. Wir haben einen Informatikstudenten diesbezüglich befragt.

Interview

Erzähl uns ein bisschen was über dich.

Ich studiere Informatik, arbeite Teilzeit neben dem Studium und bin ein Katzenmensch.

Stimmt es, dass Informatiker ungepflegte Nerds sind und alle eine Brille tragen?

Ein Blick in den Spiegel verrät mir, dass auf mich zumindest der zweite Teil der Aussage zutrifft, ich bin Brillenträger. Ich kenne jedoch genug Informatiker, die keine Brille benötigen und die auch sehr gepflegt sind. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Ein hartnäckiges Vorurteil gegenüber Informatikern ist, dass sie sehr viel vor dem Computer sitzen und keine sozialen Kontakte haben. Was hälst du davon?

Eine gewisse Vorliebe für Computer sollte man als Informatiker haben, ansonsten wählt man diese Studienrichtung vermutlich nicht, dementsprechend viel Zeit wird man auch davor verbringen. Aber nur weil man viel Zeit vorm Computer verbringt, heißt das nicht, dass man keine sozialen Kontakte pflegt. Einerseits gibt es heutzutage die Möglichkeit soziale Kontakte auch über die verschiedensten Online-Medien zu pflegen, beispielsweise Teamspeak, Discord, Skype usw., anderseits trifft man auch gerne genau jene Menschen persönlich.

In der Informatik soll es bekanntlich sehr wenige Frauen geben. Kannst du dies bestätigen und was denkst du woran das liegt?

Der Anteil ist wirklich geringer, derzeit noch, aber das gleicht sich nach und nach langsam an. Informatik wird als ein sehr „technisches“ Studium angesehen und es gibt genug Frauen, die aus diesem Grund davor zurückschrecken. Man sagt Mädchen nach, weniger gut in Mathe oder technischen Berufen zu sein. Dieses Klischee hat sich leider sehr lange gehalten, zum Glück gibt es seit einigen Jahren genug Initiativen, die mit genau solchen Vorurteilen aufräumen.

Stimmt, es dass sich Informatiker oft selbstständig machen oder ihr eigenes Startup haben bzw. gründen wollen?

In meinem Bekanntenkreis kenne ich fast nur Informatiker, die einen fixen Job bei einer Firma haben, kaum jemand, der sich selbstständig gemacht hat.

Kennst du Personen die ihr eigenes Startup haben?

Ja, ein paar.

Kennst du noch andere Klischees und Vorurteile gegenüber Informatikern oder gegenüber dem Informatikstudium?

Ein Klischee wäre noch, dass ALLE Informatiker gleichzeitig auch Gamer sind, stimmt aber leider nicht immer.

Kennst du noch allgemein andere Klischees z.B. zu Jus, Publizistik, Wirtschaftsstudien und Medizin?

Ich habe gehört Jus-Studenten sind sehr gut im auswendig lernen. Wirklich JEDER studiert BWL. Bezüglich Publizisten-Studenten verweise ich auf die BBC-Serie Sherlock Staffel 4 Folge 2.

Möchtest du noch irgendwas loswerden?

Es gibt nur 10 Arten von Menschen, jene die binär verstehen und jene die es nicht tun.

Klischee-O-Meter

Wirtschaft

Wirtschaftsstudenten – dem Klischee nach sind sie die spießigen, rosa Hemd und Pullunder tragenden Menschen, die gerne das Geld ihrer Eltern ausgeben und sowieso nur an der WU sind, weil sie sonst nicht wissen, wohin. Diese Vorurteile halten sich noch immer gut in der Gesellschaft, darum haben wir einen (ehemaligen) Wirtschaftsstudenten nach ihnen gefragt.

Interview

Erzähl uns etwas über dich!

Ich bin seit mittlerweile acht Jahren an der WU, sprich ich habe hier meinen Bachelor und Master gemacht. Jetzt bin ich 27 Jahre alt und arbeite hier als Universitätsassistent am Institut für Accounting und Rechnungslegung.

Ein Klischee besagt, dass BWL-Studenten im Allgemeinen karriere- und geldgeil sind, was sagst du dazu?

Ich glaube das kommt da eher auf die Studienrichtung an, aber grundsätzlich gibt es – wie an jeder anderen Universität auch – sowohl die eine, als auch die andere Gattung Mensch. Also per se würde ich es den Studenten nicht unterstellen.

Es wird gesagt, dass BWL-Studenten politisch gesehen eher konservativ eingestellt sind, wie denkst du darüber?

Meinen Erfahrungen mit politischen Diskussionen mit Studienkollegen nach kann ich das nur bestätigen.

Wenn man sonst nicht weiß, was man studieren soll, geht man an die WU. Ist da etwas dran?

Ja, von denen gibt’s wahrscheinlich genug. Ich glaube schon, dass man an der WU eine Studienrichtung findet, die man einschlagen kann, wenn man sich seiner Wahl noch nicht sicher ist. Im ersten Jahr wechseln auch immer sehr viele Studierende zu anderen Richtungen, bei Medizin beispielsweise denke ich nicht, dass das so oft vorkommt. Es ist schon ein bisschen ein Auffangbecken nach der Matura, bis man Zeit hat zu finden, was man wirklich machen will.

Wollen BWL-Studenten wirklich immer Manager werden?

Das glaube ich ehrlich gesagt nicht, jeder hat individuelle Vorstellungen von seiner Zukunft, und dadurch dass die WU ein relativ breit gefächertes Programm anbietet, wird bestimmt jeder seinen Weg finden können.

Was sagst du zu dem Vorurteil, dass Wirtschaftsstudenten angeblich immer reiche Eltern haben, deren Geld sie gerne auch großzügig ausgeben?

Das kann ich nur schwer beantworten, ich kann nur von mir und meinem Umfeld ausgehen, in dem das nicht immer der Fall ist. Aber ich denke, dass jeder Student in irgendeiner Weise Unterstützung von den Eltern bekommt – manche eben mehr, manche weniger.

Das wahrscheinlich gängigste Klischee: WU-Studenten tragen immer Hemd, Pullunder oder auch einen Anzug – stimmt das?

Grundsätzlich würde ich das nicht unbedingt behaupten, aber es ist wahrscheinlich wieder von der Branche abhängig – ich bin beispielsweise nebenbei in der Buchhaltung tätig, da wird auch eine gewisse Etikette verlangt. Bei Klientenkontakt hat man natürlich einen Anzug mit Krawatte an, und wenn ich danach in die Uni fahre, zieh ich mich auch nicht mehr um. Also erfülle ich grundsätzlich in dem Sinne auch das Klischee.

Wie findest du Medizinstudenten?

Ich habe in meinem Freundeskreis sehr viele Mediziner – die sind alle sehr stolz darauf, dass sie sich Doktor nennen dürfen, obwohl es eigentlich nur ein normales Diplomstudium ist. Aber ich finde, sie sind schon sehr oft mit viel mehr Herzblut hinter ihrem Studium als BWL-Studenten. Vielleicht kann man sich einfach viel mehr der Medizin verschreiben als zum Beispiel dem Marketing.

Und was denkst du über Jus-Studenten?

Da ich sehr viel mit Jus-Studenten zusammen arbeite, nicht Schlechtes. Aber ich denke, sie dürfen ähnliche Klischees wie BWL-Studenten genießen. Vielleicht sind sie sogar noch ein bisschen klischeehafter, da es doch noch meistens so ist, dass die Familie in irgendeiner Weise juristisch tätig ist.

Und wie stehts mit Informatikern?

Brille, weiße Socken, Sandalen. Nein, ich denke das verschwimmt heutzutage viel mehr. Ich bin mir sicher, dass die Vorurteile erfüllt werden und auch nicht unberechtigt da sind, aber es geht zurück.

So, das letzte Klischee – was hältst du von Publizistik-Studenten?

Da würde ich auch meinen, dass es eher so ein Auffangbecken ist, aber das ist jetzt nicht negativ gemeint. Ich denke, das ist auch etwas, das man irgendwann mal macht, und sich währenddessen dann entschließt, in ein anderes Studium zu wechseln. Ähnlich der WU.

Klischee-O-Meter

Jus

Bei den Damen ist es die weiße Bluse und die Louis Vuitton Tasche aus der letzten Kollektion, bei den Herren das weiße Hemd und der braune schwere Aktenkoffer, worin sich selbstverständlich der Kodex verbirgt,  welches den typischen Jus-Studenten als solchen entlarven lässt. Ein strenger Zopf nach hinten und ein arroganter Blick ergänzen das komplette Outfit und geben ihm den Flair eines wahren Vorzeige Jus-Studenten. So oder so ähnlich stellen sich die meisten von uns unsere zukünftigen Rechtskämpfer bildlich vor. Der Wahrheit auf der Spur, brachen wir auf und konnten eine charmante Jus-Studentin für ein kurzes Interview vor dem Juridicum für uns gewinnen.

Interview

Erzähl uns doch ein bisschen was über deine Person!

Ich bin 20 Jahre alt und studiere im 5. Semester des Jus-Studiums und entspreche nicht dem Klischee einer Jusstudentin! Der Beweis: Trage keine Perlenohrringe, halte mich für nichts Besseres! Ich habe auch keine reichen Eltern, die mir mein Studium sponsern!

Ob Prüfung oder nicht ein typisches Alltagsoutfit eines Jus-Studenten soll ja aus einem Anzug und einem Aktenkoffer bestehen, kannst du das bestätigen?

Kommt vor, jedoch sieht man eher die Mädels mit Woolrich Parka, UGGs und einer Louis Vuitton Neverfull (#basicwhitegirl)! Bei den Jungs hingegen findet man welche mit Anzug und Aktenkoffer, die anderen mit Jeans und Moncler-Jacke und Cap. Ergo, du bist was du trägst!

Ist es dir in deinem Studium aufgefallen dass manche Jus-Studenten sehr  geschwollen reden und dabei oftmals arrogant wirken?

Geschwollen versuchen vielleicht die Meisten zu reden, aber meist ist da nichts dahinter. Was die Arroganz im Umgang mit anderen Mitmenschen belangt: Da kann ich dir keine 100% Antwort geben, ich studiere in Salzburg und schiebe es immer auf die Mentalität der Salzburger (nur die „coolen Kids“, die in der Stadt aufgewachsen sind)

Jus-Studenten haben reiche Jus-Eltern, ist das wahr?

Ja manche fahren schon mit dem Porsche zur Uni, ob der vom Vater ist, sei dahingestellt!

Das Jus-Studium ist doch nur eine Sache des Auswendiglernens meinen alle, wie siehst du das?

Größtes Klischee: Ich hasse es auswendig zu lernen und bin sehr schlecht darin. Wäre sicher nicht so weit im Studium gekommen, wenn es aufs Auswendig lernen ankommen würde. Conclusio: NEIN, Anwendung ist alles!

ÖVP und FPÖ Wähler?

Kein Kommentar!

Kennst du noch andere Jus Klischees?

Das wichtigste wurde bereits oben genannt!

Kennst du noch allgemein andere Klischees z.B. zu BWL, Publizistik, Informatik und Medizin?

Hahaha oh ja, Mediziner müssen die Praxis der Eltern übernehmen, sie jammern immer dass sie sooo viel zu lernen hätten! Vor großen Prüfungen verlassen sie wochenlang ihre Zimmer nur zum Essen gehen, aber danach feiern Sie ausgiebig.

BWLer : Typen mit zurückgeschreckten Haaren und sie tragen alle Luxusuhren, ganz nach dem Motto „Geld spielt für mich Rolex“. Weiters trinken sie beim Feiern nur Champagner und verhalten sich manchmal, wie wenn sie jetzt schon ein Office in der Wall Street hätten.

Publizistik-Studenten: Zukünftige Influencer und Instagram Stars mit Studium! Sind locker das ganze Semester über, doch am Ende vom Semester, heißt es dann 135 Prüfungen und 25 Hausarbeiten in einer Woche zu schaffen! (Überspitzt formuliert)

Informatiker: Nerds, die das Zimmer nie verlassen! Führen keine Beziehungen! Haben keine Freunde! Können alles hacken!

Eventuelle Erfahrungsberichte, wie gehen andere Menschen mit dir um, wenn du sagst, dass du JUS studierst?

Zuerst, kommt ein erstauntes „wirklich?“. „Warum tust du dir das an? Ach ich weiß warum, du willst später viel Kohle machen? Aber zahlt sich der Aufwand überhaupt? Das JUS-Studium ist doch so trocken?!“ Bullshit!

Klischee-O-Meter

Medizin

Wie sind Medizinstudenten? Die Eltern sind Ärzte, die Partys extrem, und überhaupt glauben angehende Mediziner, dass ihr gewähltes Studium die größte Bedeutung für die Gesellschaft hat. Vorurteile über Medizinstudenten halten sich beständig, und wir wollen wissen, welche davon vielleicht schon veraltet sind, und welche noch immer einen wahren Kern haben.

Interview

Müssen Medizinstudenten viel mehr lernen als alle anderen?

Ich habe den Vergleichswert nicht, aber wir müssen halt immer anwesend sein und mitlernen – also wir werden gezwungen zu lernen sozusagen. Offiziell gibt es Seminare mit Prüfungscharakter auf die man vorbereitet sein muss. Man kriegt keine Note, aber man muss bestehen – wenn man die Prüfung nicht schafft, muss man sie einfach nochmal machen. Aber wenn du einmal antrittst, schaffst du es meistens, weil die Lehrenden auch keine Lust haben und niemand lässt einen das ganze Jahr wiederholen wegen einem von diesen Seminaren. Deshalb lernen alle immer ein bisschen mit und am Ende des Jahres haben wir eine große Prüfung. Aber verglichen mit anderen Studiengängen, die sich nur für eine große Prüfung vorbereiten und lernen müssen, das ist glaub ich schon weniger.

Ich habe gehört, dass Medizinstudenten als Ausgleich zum Lernen viel Sport machen, kommt dir das auch so vor?

Jetzt wo du es sagst, schon eigentlich. Bei mir ist es auch so, ich habe zwar immer schon Sport gemacht, aber nie regelmäßig. Aber eigentlich habe ich nach der Schule während dem Zivildienst wirklich damit angefangen. Ich weiß nicht ob es was mit dem Studium zu tun hat, oder auch einfach mit mir, aber ich glaube schon, dass die meisten Leute sehr überdurchschnittlich viel Sport machen – es gibt auch irgendwie keine wirklich dicken Leute im Studium. Darüber habe ich auch schon mal mit Freunden geredet, warum das wohl so ist. Vielleicht einfach, weil Medizinstudenten viel Wert auf Gesundheit legen. Trotzdem gibt es wirklich viele Raucher.

Wenn Medizinstudenten nicht lernen oder sporteln, dann trinken sie – und nicht gerade wenig. Stimmt es, dass Mediziner-Partys die „ärgsten“ von allen sind?

Ja total! Es ist schon so, dass alle sehr gerne feiern gehen. Aber doch eher am Anfang. Vor allem das erste Jahr ist noch „gemütlich“ und man muss im Grunde nichts machen. Ich habe es im ersten Jahr bei mir gesehen, da bin ich die ganze Zeit mit den anderen Medizinern nur fortgegangen. Im zweiten Jahr auch noch, aber von da an wurde es immer weniger. Ich weiß nicht, vielleicht bin ich schon erwachsener oder so.

Das wohl gängigste Klischee: hast du einen Arzt in der Familie?

Ja! Mein Vater und mein Opa, ich wäre dann sozusagen der dritte in der Reihe. Ich wollte aber nicht bewusst deshalb Mediziner werden, und mein Vater hat auch nie sowas gesagt wie „hey, du musst das jetzt machen und später die Praxis übernehmen“.

Klischee Narzissten – wurde dir schon mal gesagt, dass du arrogant wirkst oder bist?

Ja, sehr oft! Aber meistens von guten Freunden, die machen sich dann auch darüber lustig – inzwischen ist das schon ein Running Gag.

Und bist du stolz auf dein Studium?

Nicht so sehr, ich versuch auch, das nicht so zu sehen. Ich bin in einer Position in der mein Vater mein Studium finanziert, dadurch ist es nicht so schwer. Natürlich verbringe ich viel Zeit damit, aber da ich nicht nebenbei arbeiten muss, ist das für mich nicht so eine große Leistung. Aber ich bin stolz, dass ich den Aufnahmetest geschafft habe. Der ist nicht leicht, aber wenn du den geschafft hast, musst du nur noch mitlernen und dann läufts auch. Ich kenn die genauen Zahlen nicht, aber ich denke es melden sich so um die 13.000 Leute zur Aufnahme an, es werden aber nur um die 1000 Plätze vergeben. Am schwersten haben es die EU-Bürger in Wien, für Österreicher ist es da noch leichter – es gibt ja eine Quote die erfüllt werden muss. Aber wie gesagt, darauf bin ich schon stolz.

Kommen Freunde zu dir und fragen dich zum Beispiel nach deiner Meinung zu einem Hautausschlag oder anderen Krankheitserscheinungen?

Die ganze Zeit! Es sind auch so absurde Sachen – abgesehen davon, dass ich eigentlich nichts sagen darf, und ich mich auch nicht so gut auskenne – mein Bruder schreibt mir beispielsweise per WhatsApp so etwas wie „hey, mir tuts da hinten im Ohr weh, was soll ich tun?“ Ich denk mir dann „keine Ahnung, was willst du das ich jetzt mache?“. Wenn ich es sehen könnte, würde ich es vielleicht sogar wissen, aber per WhatsApp? Ich sag dann immer, dass er am besten zum Arzt gehen soll. Dann kommt die Frage, warum ich eigentlich studiere. Das hat schon im ersten Semester begonnen, ich lerne zum Beispiel grade Chemie und habe keine Ahnung von irgendwas, und ein Freund erzählt mir von seinen Knieschmerzen und erwartet sich Hilfe. Mittlerweile kennt man sich aber schon aus und kann sogar hin und wieder weiterhelfen.

Wird man dann gegebener Maßen zum Hypochonder?

Ja, und das ist ein riesen Problem, weil das echt alle haben. Also nicht alle, aber extrem viele. Ich habe letztens mit einem meiner Professoren darüber gesprochen. Er hat mir erzählt, dass er in seiner Studienzeit ungefähr einmal pro Monat zu seinem Hausarzt gegangen ist, weil er dachte er habe irgendeine Krankheit. Aber es ist schon schlimm, man lernt über eine neue Krankheit, bei der eines der Symptome etwas ganz simples ist, zum Beispiel chronische Müdigkeit. Und dann sitzt man um acht Uhr morgens am Schreibtisch und ist müde und von da an beginnt man, die ganzen Symptome zu sehen. Und egal was als nächstes kommt, du denkst dir du hast genau diese Krankheit. Mittlerweile weiß ich, dass es in den meisten Fällen nichts ist. Also eigentlich immer.

Es geht um Vorurteile von anderen Studienrichtungen. Was denkst über Jura-Studenten?

Alles Nazis. Also nein, nicht alle. Aber die haben doch noch diesen Professor, ich denke er heißt Neschwara, der ist in einer Burschenschaft, Gothia. So eine ultra-rechte Vereinigung, und er ist halt an der Uni Professor für Verfassungsgeschichte. Mir kommt vor, dass am Juridicum auch sehr viele FPÖ- und ÖVP-Wähler sind. Das andere Vorurteil das ich kenne, ist dass sich Jus-Studenten immer einen Anzug zur Prüfung anziehen. Mein Mitbewohner, ebenfalls Jura-Student und ein wirklich guter Freund von mir ist da auch so. Aber das müssen sie ja. Also ich habe mal vorgeschlagen er soll mit Jeans und Sakko hingehen – er hat geantwortet, dass das schon sehr mutig wäre.

Was denkst du über Publizistik-Studenten? Zukünftige Taxifahrer?

Das ist so was Theoretisches. Die Freundin eines anderen Mitbewohners hat Journalismus an einer FH studiert, und ich bin mit ihr und ihren Kollegen ins Gespräch gekommen. Manche von denen haben davor Publizistik gemacht, und fanden das nicht so gut, weil es so ein theoretischer Zugang zu einem eigentlich praktischen Thema war. Das habe ich mir auch so gedacht, aber mein eigentliches Vorurteil ist wirklich so – man studiert, was einem Spaß macht, aber wird trotzdem irgendwie Taxifahrer.

Wie steht’s mit Informatik-Studenten?

Da habe ich auch ein paar Freunde die das machen. Find ich sehr bewundernswert, weil ich einfach überhaupt keine Ahnung davon hab. Vorurteil wäre für mich Nerds – dünne, bleiche Jungs die den ganzen Tag vorm Computer sitzen. Die Studenten die ich kenne, sind auch alle so. Aber es sind auch alle Individualisten, und das finde ich cool. Dadurch dass sie alle so flexible Arbeitszeiten haben, können sie gut ihren Interessen nachgehen, das ist echt super.

Die letzten Vorurteile – was hältst du von BWL-Studenten?

Das sind die ÖVP- und Neos-Wähler, die nicht Jus studieren. Und nicht Medizin studieren. Ich glaub da sind auch viele Wiener, aber BWL-Studenten kenn ich weniger. Das Klischee – wie auch Mediziner und Juristen – die spießigen Studenten. Immer mit Polo oder ebenfalls Anzug unterwegs, aber BWLer sind meistens cooler als Juristen. Die Partys auf der WU waren auch immer gut, und die Studenten sind auch immer die, die beim fortgehen eine Flasche Vodka bestellen.

Klischee-O-Meter

Fazit

Ein paar Klischees haben sich bewahrheitet, viele aber auch nicht. Doch seien wir ehrlich: Klischees gibt es nicht ohne Grund – bis zu einem gewissen Grad steckt in jedem Vorurteil ein Stück Wahrheit. Jedoch sollte man nicht aufgrund eines Vorurteils auf die Person hinter des jeweiligen Studienganges schließen. Das Schubladendenken vereinfacht zwar vieles, aber verhindert die Person unvoreingenommen kennenzulernen. Wir hatten fünf interessante Gespräche mit spannenden Persönlichkeiten, die uns einen realistischen Einblick in das jeweilige Studienfach und die damit verbundenen Stereotype ermöglichten. Fakt ist: am Ende des Semesters sitzen wir alle mit rauchenden Köpfen und frustrierten Blicken gemeinsam in der Bibliothek in der Hoffnung die anstehenden Prüfungen zu bestehen.