Jeden Tag laufen wir durch die Straßen Wiens, ohne uns groß darüber Gedanken zu machen, woher diese ihre Namen haben. Tatsächlich sind in Wien ganze 4269 Verkehrsflächen nach Personen benannt, jedoch nur 356 nach Frauen (Stand 2015). Rechnet man auch die Länge dieser Straßen ein, sind es gerade mal 3 Prozent. Doch wer sind eigentlich Fischkopf-Reserl und Therese Schlesinger? Lesen Sie doch weiter!



Schlesingerplatz


Naschmarkt


Längenfeldgasse


Maria-Grengg-Gasse


Claudia-Heill-Weg


Maria-Restituta-Platz

Schlesingerplatz

schlesingerplatz

Den Schlesingerplatz im 8. Bezirk gibt es seit 1901 und wurde damals nach dem Professor für Mathematik und mehrfachen Rektor der Hochschule für Bodenkultur in Wien, Josef Schlesinger (1831-1901), benannt. Von 1938-1945 galt die Bezeichnung Conrad-Hötzendorfer-Platz, von 1945-2006 wieder Schlesingerplatz, nach Josef Schlesinger. Da dieser jedoch als Antisemit und intellektueller Wegbereiter des Nationalsozialismus gilt, wurde die Benennung nach ihm stark kritisiert. 2003 folgte ein Antrag der Grünen gegen die Benennung an die Bezirksvertretung. Am 21.02.2006 wurde der Platz der Frauenrechtlerin, Schriftstellerin und sozialdemokratischen Politikerin Therese Schlesinger gewidmet. Zu den wichtigsten Gebäuden auf dem Platz zählt das Amtshaus mit dem Sitz der Bezirksvorstehung Josefstadt.

Der Schlesingerplatz im 8. Bezirk

Der Schlesingerplatz im 8. Bezirk

Geboren: 6. Juni 1863 (Wien)
Gestorben: 5. Juni 1940 (Blois/Frankreich)

Therese Eckstein wuchs als eines von vier Kindern einer jüdischen Industriellenfamilie in Wien auf. Nach dem frühen Tod ihres Vaters übernahm die Mutter die Leitung der Papierfabrik, die die Familie im fünften Bezirk besaß. Der elterliche Betrieb brachte ihr schon in jungen Jahren genauen Einblick in die sozialen Missstände, die zu dieser Zeit herrschten. Durch Privatunterricht und Besuche von Vorlesungen an der Universität Wien bildete sie sich selbst weiter, da zu dieser Zeit ausschließlich Männer eine höhere Schulbildung erhielten. 1888 heiratete sie den Bankangestellten Victor Schlesinger, mit dem sie eine Tochter hatte. Nachdem sie während der Schwangerschaft an Kindbettfieber erkrankte, hatte sie ihr Leben lang ein versteiftes Hüftgelenk. In dieser Zeit starb auch ihr Mann an Tuberkulose.
Therese Schlesinger fing an, sich in der bürgerlichen Frauenbewegung zu engagieren und wurde Mitglied im Allgemeinen österreichischen Frauenverein und im Lese- und Diskutierclub Libertas. In der wöchentlichen Frauen-Beilage der Zeitung Volksstimme forderte sie die Zulassung von Frauen zum Hochschulstudium, die Verbesserung des Arbeitsschutzes für Frauen und vor allem die Einführung des Frauenwahlrechts. 1897 trat sie der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei bei. Vier Jahre später war sie Mitbegründerin des Vereins sozialdemokratischer Frauen und Mädchen. In ihrer politischen Laufbahn hielt sie zahlreiche Vorträge und publizierte Artikel und Aufsätze in mehreren Zeitungen. Als 1918 das Wahlrecht für Frauen durchgesetzt wurde, gab sie gemeinsam mit Adelheid Popp das Wochenblatt Die Wählerin heraus. Ein Jahr später besetzte sie als eine der ersten acht Frauen ein Nationalratsmandat. Von 1919 bis 1923 war sie Mitglied des Nationalrates, danach bis 1930 Mitglied des Bundesrates. Drei Jahre später zog sie sich aus der Parteiführung zurück.
Wegen ihrer jüdischen Herkunft musste Therese Schlesinger nach dem Anschluss Österreichs 1938 nach Frankreich emigrieren und blieb dort bis zu ihrem Tod.

Das Amtshaus Josefstadt

Das Amtshaus Josefstadt

Zum Weiterlesen:

Naschmarkt

naschmarkt

Der Naschmarkt fehlt in keinem Stadtführer für Wien. Und tatsächlich locken seine bunten Obst- und Gemüseauslagen, die vielen Geschäfte für Spezialitäten aus aller Welt und auch die Gastronomie hunderttausende Tourist_innen jährlich an.

Aber es stimmt bei Weitem nicht, dass der Markt zur bloßen Sehenswürdigkeit verkommt. Natürlich kaufen auch viele Wiener_innen dort ein und das schon seit mehreren hundert Jahren. Wie er zu seinem Namen kam, ist allerdings nicht ganz geklärt, denn einerseits befand sich im 18. Jahrhundert eine Aschen-Ablagerungsstätte auf dem damaligen Gelände am heutigen Karlsplatz, andererseits wurde zu allererst Milch dort angeboten. Diese wurde damals im sogenannten Asch, dem Eschenholz-Kübel geholt. Das N am Wortanfang kam im Volksmund dazu, sodass Naschmarkt im Jahr 1905 offizieller Name wurde.

Obst- und Gemüse am Naschmarkt

Obst- und Gemüse am Naschmarkt

In der recht turbulenten Geschichte des Marktes spielten Frauen schon immer eine große Rolle, sowohl als Kundinnen als auch als Verkäuferinnen. Die Bezirksvorstehung von Mariahilf verpasste deshalb im Frühjahr 2015 im Rahmen der Sanierung den bis dahin technisch bezeichneten Blöcke A, B und C sprechendere Namen, nämlich die von Frauen, die mit der Ortsgeschichte verbunden sind.
So gibt es nun die Minerl-Gasse, benannt nach einer ehemaligen Standlerin, die als Krawallmacherin bekannt war. Parallel dazu verläuft die Sopherl-Gasse, die ihren Namen von der gleichnamigen fiktionalen Figur von Vinzenz Chiavacci bekam. Dieser schrieb im 19. Jahrhundert für mehrere Stadtzeitungen und ließ Frau Sopherl überspitzt Aktuelles kommentieren.

Die Großhändlerin Johanna Bauer (1872-1937) wurde Namenspatin für einen kleinen Platz am unteren Naschmarkt. Gleich danach geht dann die Sopherl-Gasse in die Reserl-Gasse über. Auch sie war eine Standlerin und wurde früher Fischkopf-Reserl gerufen. Heute befinden sich die Fischhändler_innen allerdings nicht mehr in diesem Bereich.

Mehr Tauben als Fische in der Reserl-Gasse

Mehr Tauben als Fische in der Reserl-Gasse

Daneben verläuft die Mariedl-Gasse, die nach einer Fratschlerin benannt ist. Dieser Begriff für eine Obsthändlerin bezeichnete ursprünglich Personen, die auf dem Naschmarkt einkauften, um die Waren dann auch außerhalb des Marktgebiets lauthals weiterzuveräußern. Damals wurden diese Zwischenhändler_innen beschuldigt, die Preise in die Höhe zu treiben. Diesen Vorwurf bekommen in der jetzigen Zeit eher Gastronomiebetriebe zu hören, verdrängten sie mit ihrem auserwählten und teilweise hochpreisigem Angebot nach und nach die Standler_innen, die unverarbeitete Lebensmittel anböten.

Gabriele-Kuczera-Platz am Naschmarkt

Gabriele-Kuczera-Platz am Naschmarkt

Auf einem weiteren kleinen Platz im B-Block findet sich nicht nur ein Straßen-Täferl mit dem Namen der Standlerin Gabriele Kuczera (1955-2015), sondern auch das gleichnamige Geschäft, das Obst, Gemüse und Kräuter im Sortiment hat. Wenn man sich noch weiter durch die engen Gassen schlängelt, passiert man einen Falafel-Stand, der seine verschiedenen Sortimentsbereiche scherzhaft Olivengasse, Brotgasse, Orientstraße usw. beschriftete. Diese orangen Täferl mögen ein Werbegag sein, doch man könnte meinen, die Umbenennung der Wege durch den Naschmarkt sind es auch. Man kann der Bezirksvorstehung von Mariahilf zugutehalten, dass sie es bei Weitem nicht so einfach mit der Erschließung und damit auch Benennung neuer Verkehrsflächen hat wie zum Beispiel der 22. Bezirk mit seiner noch entstehenden Seestadt Aspern. Auch ist es verständlich, dass die Betriebe des Naschmarkts ihre Adressen nicht mühsam ändern wollen. Doch nicht einmal die Hinweis- und Orientierungstafeln, die zwischen den verschiedenen Blöcken aufgestellt sind, verzeichnen die neuen Frauenstraßennamen. Dadurch wirkt die Aktion, die Frauen im Stadtbild sichtbarer machen sollte, halbherzig und oberflächlich.

Dennoch ist der Stadt mit der Generalsanierung gelungen, den Naschmarkt moderner und besucher_innenfreundlicher zu gestalten. Nicht immer war er bei Stadt und Bevölkerung so beliebt und hip wie heute. Die erste Umsiedlung von der Freyung Richtung Kärntnertor fand im späten 18. Jahrhundert statt, weil es mit dem dort ansässige Schottenkloster zu Konflikten gekommen war. Die Stände breiteten sich im Laufe der Zeit von dort immer weiter und wild über den Karlsplatz aus und wurden 1916 gänzlich auf das heutige Gebiet verlegt. Dafür wurde der Wienfluss überbaut und die nun einheitlichen Gebäude errichtet. Schon zur Eröffnung wurde Kritik am Konzept laut, sei es aufgrund seiner Lage doch nicht, wie z.B. die zeitgleich entstehende zentrale Markthalle in Paris, mit kühlen Kellerlagerräumen versehen und auch nicht komplett überdacht. Nach dem zweiten Weltkrieg stand sogar das Fortbestehen des Naschmarktes mit neuen städtebaulichen Maßnahmen zur Diskussion. Für eine moderne City musste das traditionsreiche Marktgebiet in den 1960ern beinahe einer sechsspurigen Erweiterung der Westautobahn bis direkt zum Karlplatz weichen. Glücklicherweise ist uns das erspart geblieben und wir können bis heute durch den Naschmarkt flanieren, die bunten Auslagen genießen, hi und da Trockenfrüchte probieren und die große Warenauswahl nutzen.

Zum Weiterlesen:

Längenfeldgasse

laengenfeldgasse

Die alte Degenklinge – unter diesem Namen war Josphine Haas von Längenfeld-Pfalzheim bekannt. Mit einer solchen bewachte sie laut Erzählungen tagsüber ihr Vermögen.

Geboren im März 1783, wuchs Josphine Haas als zweitälteste Tochter eines Lehrers und einer Gastwirtin in Burglengenfeld im Osten von Bayern auf. Nach dem Tod beider Eltern war sie mit nur 12 Jahren gezwungen, in die nächstgrößere Stadt weiterzuziehen. So wurde Wien zu ihrem festen Wohnsitz und lernte hier auch ihren Mann, einen wohlhabenden bayrischen Gesandten, kennen. Aufgrund des Standesunterschiedes war eine Eheschließung jedoch nicht möglich, weshalb Josphine Haas keinerlei Anspruch auf den Besitz ihres Mannes hatte.

Josefine Haas von Längenfeld

Obwohl sie nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1844 ein großes Vermögen besaß, lebte sie sehr zurückhaltend und bescheiden in einem Haus in Gaudenzsdorf bei Wien. In Überlieferungen wird erzählt, dass sie nur äußerst selten Fleisch aß und in der Nacht auf Strohsäcken schlief.

Mit ihrem Vermögen errichtete sie in den letzten Jahren vor ihrem Tod (1846) zahlreiche Stiftungen. Die erste Stiftung diente zur Unterstützung der Hochzeiten armer Mädchen in ihrer Heimatstadt Burglengenfeld. Anlässlich dieser Wohltat verlieh ihr der bayrische König den Adelstitel Längenfeld-Pfalzheim.

Es folgten weitere zahlreiche Stiftungen, welche zum Teil bis heute jährlich ausgeschüttet werden. So ist es für Wiener_innen noch immer möglich, sich für ein Brautgeschenk im Wert von €800 zu bewerben.

Die Längenfeldgasse

Die Längenfeldgasse

Maria-Grengg-Gasse

maria-grengg-gasse

Malerin, Schriftstellerin, Nationalsozialistin. Die Würdigung der Heimatroman-Autorin mit einer Straßenbenennung in Wien-Liesing ist höchst problematisch.

Geboren wurde Maria Grengg zwar 1888 in Stein an der Donau (heute Stadtteil von Krems), jedoch beschloss die Autorin ihr Geburtsdatum um ein Jahr nach hinten zu verschieben. Wohl um neben ihrer völkischen Gesinnung noch mehr Gemeinsamkeiten mit Adolf Hitler zu haben. Eine Einsicht in Maria Grenggs Weltsicht erhalten wir durch ihre Bücher wie Das Feuermanderl, Die Flucht zum grünen Herrgott und Die Kindlmutter. In diesen propagiert sie u. a. Antisemitismus, Mutterschaft als wahres Frauenbild und Rassenhygiene. Besonders Die Kindlmutter, welches 1938 erschien, ist ein Bekenntnis zum nationalsozialistischen Gedankengut.

Die Sackgasse an der Grenze zu Niederösterreich

Als Mitglied der Reichsschrifttumskammer und Vorträgen im NS-Lehrerbund und BdM-Führerinnen Lagern, wurde Maria Grengg 1940 in die NSDAP aufgenommen. Zuvor traf sie öffentliche Äußerungen wie „Als Adolf Hitler kam und uns mit seinem großen Herzen nahm, wußte ich beglückt, dass jetzt alles gut sei, und dass dieser seit jeher geliebte, grösste Sohn meiner Heimat sie mir jetzt wiederschenkt.“ Zwar könnten diese Belege, zusammen mit einer (von Grengg selbst angegebenen) Mitgliedschaft in der Vaterländischen Front und Auszeichnungen aus der Zeit des austrofaschistischen Ständestaats, als Opportunismus angesehen werden, jedoch findet sich auch in Veröffentlichen vor jenen totalitären Systemen eine rassistische, deutschnationale und menschenverachtende Gesinnung.

Nichtsdestotrotz erhielt Maria Grengg, auf Ansuchen der ÖVP, einen Sühneerlass und lebte danach eher zurückgezogen im Hofmannsthal-Schlösschen in Wien-Liesing. Gleich dort befindet sich auch die Maria-Grengg-Gasse, die seit 1967 so heißt. Bis zu ihrem Tod 1963 erhielt Grengg Auszeichnungen, Ehrungen und Neuauflagen ihrer Romane.

Auf die Gesinnung der Schriftstellerin weist eine Zusatztafel zu Beginn der kurzen Gasse hin, welche jedoch erst 2016, nach Untersuchungen einer Historiker_innenkommission und dort angebracht wurde. Diese stufte die Benennung nach Maria Grengg als „Fall mit intensivem Diskussionsbedarf“ ein.

Zusatztafel zur Maria-Grengg-Gasse

Zum Weiterlesen:

Autengruber, Peter/Nemec, Birgit/Rathkolb, Oliver/Wenninger, Florian: Umstrittene Wiener Straßennamen. Ein kritisches Lesebuch. Wien, Pichler Verlag 2014.

Maria Grengg (1888-1963). Österreichische Nationalbibliothek.

Claudia-Heill-Weg

claudia-heill-weg

Welche Person steckt hinter dem Claudia-Heill-Weg im 22. Bezirk in Wien?

Leben von Claudia-Heill

Geboren: 24. Jänner 1982 in Wien
Gestorben: 31. März 2011 in Wien

Claudia wurde in ihrem Leben bekannt durch ihre Leidenschaft zum Judosport. Sie begann mit dem Kampfsport schon mit 7 Jahren und erzielte auch einige Erfolge.

  • 2001 Weltmeisterschaft in München: 5. Platz
  • 2002 Europameisterschaften in Maribor: 3. Platz
  • 2003 Europameisterschaften in Düsseldorf: 3.Platz
  • 2004 Olympische Sommerspiele in Griechenland: Silbermedaille
  • 2005 Europameisterschaften in Rotterdam: 2. Platz
  • 2006 Militär-WM in Vinkovic: Weltmeisterin
  • 2007 Europameisterschaften in Belgrad: 3. Platz
  • 2008 Olympische Sommerspiele China: 5. Platz (gescheitert im Duell um die Bronzemedaille)

Während ihrer erfolgreichen Judokarriere gelang es ihr 2004 als erste österreichische Judoka eine olympische Medaille zu ersiegen. Zu den Personen, die sie in ihrer Karierre unterstützt haben, gehören ihr Trainer Hubert Rohrauer, mit dem sie intensiv vor den Olympischen Spielen trainiert hat und die Judoka Sabrina Filzmoser, die sie häufig als Trainingspartnerin zur Seite stehen hatte.

2009 beendete Claudia Heill ihre Karriere als aktive Sportlerin, doch Judo gab sie nicht auf. Sie fing an, Training und Sport an einer Fachhochschule in Wiener Neustadt zu studieren und war nebenbei als Judotrainerin tätig. Außerdem arbeitete sie bei einigen Sportveranstaltungen in Österreich mit, wie zum Beispiel bei der Judo-Heim-EM 2010 und bei der Star Ribbon-Antidoping-Initiative der SPORTUNION Österreich.

Im Grünen: Der Claudia-Heill-Weg

Ihr kurzes Leben endete mit 29 Jahren, als sich Claudia Heill 2011 aus dem 6. Stock ihres Wohnhauses in der Landstraßer Hauptstraße in den Tod stürzte. In den Boulevardmedien wird vielfach Selbstmord durch Liebeskummer berichtet, obwohl die genauen Gründe nicht geklärt wurden. Kurze Zeit später wurde ihr zu Ehren ein Grab am Wiener Zentralfriedhof errichtet (Gruppe 40, Nr 71).

Der Claudia-Heill-Weg wurde ihr am 22.06.2014 in Wien Donaustadt gewidmet. Er ist einer der wenigen Wege, die in Wien nach einer Frau benannt wurden, dennoch findet man im 22. Bezirk (Donaustadt) im Stadtteil Seestadt Aspern einen Ausgleichsversuch für das Ungleichgewicht in der Straßennamensgebung.

Im Sommer 2009 began das Wiener Institut für sozialwissenschaftliche Dokumentation und Methodik WISDOM mit dem Projekt für die Integration von weiblichen Straßennamen im Auftrag der Wien 3420 Aspern Development AG. Es stehen 3750 männliche Namen gegen rund 200 weibliche Namen. Mit dem Projekt wurde bis jetzt der 5% Anteil auf 7% erhöht. Es ist noch ein weiter Weg, bis die Frauen die Straßenschilder so sehr wie die Männer schmücken, aber in der Seestadt Aspern haben die Frauen das Sagen.

Maria-Restituta-Platz

maria-restituta-platz

Maria Restituta ist mit dem bürgerlichen Namen Helene Kafka aufgewachsen. Als Sie 20 Jahre war, trat sie dem Orden der Franziskannerinnen von der christlichen Liebe bei und bekam den Namen Maria Restituta. Sie galt als Märtyrin, die sich den Machthabern des Nationalsozialismus widersetzte.

Der Maria-Restituta-Platz

Helena Kafka wurde als viertes von sieben Kindern von Anton Kafka und Maria Stehlik geboren. Nach einigen Jahren als Hausmädchen wurde Sie durch den Ausbrauch des Ersten Weltkrieges Hilfspflegerin. Als Sie 20 Jahre alt war, trat sie den Orden der Franziskannerinnen von der christlichen Liebe bei. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam Sie als Operationsschwester in das Mödlinger Krankenhaus und brachte es dort bis zur Oberschwester. Als Schwester Resoluta trat Sie für Recht und Ordnung ein, dennoch ihre Freundlichkeit behielt. Sie gab diese Freundlichkeit an die Patienten weiter, ganz egal welche ethische Herkunft, religiösen Hintergrund oder politische Gesinnung diese hatten.

Nach dem Anschluss Österreichs handelte Sie weiter, wie es ihr recht erschien. Sie führte ein Kind zur Taufe und widersetzte sich den Anweisungen der Nationalsozialisten zur Abnahme des Kruzifixes im Krankenhaus, um es durch ein Hakenkreuz zu ersetzen. Außerdem betete Sie verbotenerweise, aber nicht geheim, mit kranken polnischen Zwangsarbeitern. Als im Jahr 1941 zwei Wehrmachtsangehörige ins Krankenhaus kamen, um ihren Verband sterilisieren zu lassen, zeigten diese ihr den Text eines kritischen Soldatenliedes. Maria-Resituta ließ das Lied von einer Angestellten abschreiben.

Am 18. Februar, kurz nachdem die Kopie des Liedes gefunden worden war, stürmte die Gestapo den Operationssaal des Krankenhauses und verhaftete Maria Restituta. In Gefangenschaft wurde sie einigen brutalen Verhörmethoden ausgesetzt, dennoch verschwieg sie den Namen des Soldaten, von dem Sie den Text erhalten hatte, sowie von der Kollegin, die Ihr bei der Vervielfältigung geholfen hatte. Sie half Mitgefangen mit ihrem Glauben und medizinischen Wissen. Somit konnten die Gefangen Magenbeschwerden vortäuschen und konnten ein paar Stunden die beengten Zellen verlassen. Schwester Restituta wurde am 29. Oktober 1942 wegen landesverräterischer Feindbegünstigung und Vorbereitung zum Hochverrat vom Volksgerichtshof zum Tod verurteilt. Am 30. März 1943 wurde Schwester-Maria-Restituta gemeinsam mit neun kommunistischen Funktionären hingerichtet.

Um Schwester Restituta und ihre Taten zu ehren, gab es in der Nachkriegszeit einige Taten die an Sie erinnern soll. Die Seligsprechung erfolgte am 21. Juni 1998 von Johannes Paul II in Wien. Der liturgische Gedenktag ist der 29. Oktober, der Tag, an dem Sie das Todesurteil im Jahr 1942 erhalten hat. In der Gegenwart ist eine Gasse in Mödling (Schwester-Maria-Restituta-Gasse), ein Platz in Wien Brigittenau (Maria-Restituta-Platz) und ein Gemeindebau in Wien Magereten nach ihr benannt. Im Hartmannspital das sich in Wien Margareten befindet, gibt es eine Daueraustellung mit dem Thema „Restituta-Dokumentation Glaube gegen NS-Gewalt“. Außerdem ist seit dem 27. Mai 2009 eine von Schwester-Maria-Restituta-Büste in der Barbara-Kapelle des Wiener Stephansdom angebracht.

Der Besuch des Maria-Restituta-Platz in Wien Brigittenau war beeindruckend. Im Umkreis des Platzes befindet sich die Millenium-City und die S-Bahn Station Handelskai. Außerdem gibt es einen kleinen Markt, wo man den Platz abgehen kann und auch Kleinigkeiten kaufen kann. Dennoch finde ich es angemessen, dass Wien Maria-Restituta einen Platz gewidmet hat, wo Sie groß geworden ist.

Der Marktplatz am Maria-Restituta-Platz

Falls unsere Berichte Ihre Entdeckungslust geweckt haben, lassen Sie sich nicht aufhalten! Die Tour dauert mit öffentlichen Verkehrsmittel vom Start- bis zum Zielpunkt ungefähr vier Stunden. Sie erhalten dabei einen Einblick in die verschiedenen Lebenswelten und Verkehrsmittel Wiens.

Zum Weiterlesen:
Franziskanerinnen von der christlichen Liebe

Route

Unsere Empfehlung für die Tour:

Startpunkt – Naschmarkt
Karlsplatz U1, U2, U4, 1, 62, 4A, 59A, Wiener Lokalbahn

Karlsplatz U1 – Richtung Leopoldau, Ausstieg Kagraner Platz U1
Umsteigen auf 26 in Richtung Hausfeldstraße, Ausstieg Forstnergasse
Am Ende des Gehsteiges in Fahrtrichtung befindet sich der Claudia-Heill-Weg.

Linie 26 Richtung Strebersdorf bis Floridsdorf
Umsteigen auf die U6 Richtung Siebenhirten, Ausstieg Handelskai
Beim Gebäudeausgang beginnt der Maria-Restituta-Platz.

U6 Richtung Siebenhirten bis Josefstädter Straße
Umsteigen auf 33 Richtung Friedrich-Engels-Platz, Ausstieg Florianigasse
(Alternativ bis Thaliastraße fahren, Umstieg auf 5 Richtung Praterstern)
Weiter in Fahrtrichtung bis Florianigasse, rechts einbiegen, nach wenigen Metern beginnt auf der linken Seite der Schlesingerplatz.

Straßenbahnlinie 33 bis Josefstädter Straße (alternativ 5 in Richtung Westbahnhof)
Umsteigen auf U6 Richtung Siebenhirten bis Längenfeldgasse
Beim Ausstieg beginnt die Längenfeldgasse.

U6 Richtung Siebenhirten bis Bahnhof Meidling
Umsteigen auf die S-Bahnlinien 2, 3, 4 Richtung Liesing/Mödling/Leobersdorf bis Liesing
Umsteigen auf 60A Richtung Alterlaa bis Willergasse/Schule
Zurück gegen die Fahrtrichtung des Busses, bei der Kreuzung links, bis auf der rechten Seite die Maria-Grengg-Gasse beginnt.

#vollgeTeert

Mitwirkende

Franziska Amann: Maria-Grengg-Gasse, Organisation
Florian Hermann: Maria-Restituta-Platz
Lukas Kienzl: Längenfeldgasse, Karten
Vanessa Kovar: Claudia-Heill-Weg
Clarissa Krammer: Schlesingerplatz
Jana Wiese: Naschmarkt, Audiobearbeitung, Fotos